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Die letzte Ruhestätte der
Heimbacher Evangelischen
Es ist immer wieder bedrückend, von geliebten
Menschen Abschied nehmen zu müssen. Der letzte Gang zum Friedhof,
Gottesacker,
Kirchhof ist einerseits der schwerste,
andererseits auch der, welcher den Anteilnehmenden die Gedanken vom Alltag
weg bringt und nicht
zu vergessen ist. So ist es nicht
erstaunlich, dass sich auch hier in Heimbach die Frage stellt, wie es um
die Geschichte des evangelischen
Friedhofes im Heimbachtal steht. Dabei ist nur
noch Wenigen bekannt, dass es sich hierbei (mindestens) um den zweiten
Friedhof der
Evangelischen handelt. Deshalb habe ich einen
ersten Anlauf genommen, darüber zu schreiben. Dabei muss ich aus
Zeitgründen zunächst
auch einige Grundfragen zurück stellen,
denn vorab müsste eigentlich herausgefunden werden, wie lange es hier in
Heimbach schon
evangelische Christen gibt. Die "Muttergemeinde"
Gemünd jedenfalls ist 1609 erstmals urkundlich erwähnt. Dem nachzugehen
werde ich
später versuchen. Bekannt ist, dass der
evangelisch-reformierte Gemünder Pfarrer Heinrich Wilhelm Cramer ca. 1638
in Heimbach
geboren wurde. In dem (1618 beginnenden)
evangelisch-reformierten Kirchenbuch in Gemünd ist als zweiter Taufeintrag die Taufe von
Catarina, Tochter von Gerhardt Schor und Helma,
seiner Hausfrau Mitte Januar 1619 dokumentiert. Spätestens dann beginnt die
evangelische Geschichte
Heimbachs.
[Johannes Wever "Wenn diese schweigen, werden die Steine
schreien" Der Alte evangelische Friedhof in Gemünd
(Eifel)...." 1997: Die reformierte Gemeinde war besonders unter der
Führung des Pfarrers Heinrich Wilhelm Cramer12gewachsen und
gestärkt. 12 * ca. 1638 in Heimbach, Pfarrer in Gemünd ab 1662,
+ 12.06.1692.]
Der "alte" evangelische Friedhof befand sich in
unmittelbarer Nähe der katholischen Kirche und der Gaststätte "Zur
Krone", was nicht unwichtig ist. Das Niveau des Friedhofes muss
ca. 1,20 m über dem der angrenzenden Gaststätte gewesen sein. In den Akten
finden sich hierzu reichlich Vorgänge, die einerseits Klagen über den
baulichen Zustand der Friedhofsmauer und den davon beeinträchtigten
Fremdenverkehr nennen, andererseits auch das Bauen einer Gaststätte
bemängeln. "Demgegenüber betone ich, dass die Friedhofanlage
selbst einwandfrei gewesen ist. Sie ist älter als alle Gebäude ringsherum.
Man würde nur nach heutigen Grundsätzen es nicht mehr zulassen dürfen, dass
in solcher Nähe des Friedhofes eine Wirtschaft zum Schaden der
Friedhofgemeinde gebaut werden kann. Ein schweres Versäumnis seitens
der Polizeiverwaltung Heimbach ist es aber vor mehreren Jahrzehnten
gewesen, dass sie den Bau einer Kegelbahn oberhalb des Friedhofes
nicht verboten hat. In einer Zeit, in der nur ganz wenige
Evangelische Einwohner in Heimbach wohnten, ist damals die pietätlose
Beeinträchtigung des Friedhofes zum Schaden der Evangelischen Gemeinde
zugelassen worden.... Sie trägt schwer an der Einengung des Friedhofes. Die
Evangelische Gemeinde wird daher auch einer Schließung keinen
Widerstand entgegen setzen, wenn die Gemeinde Heimbach ihr einen anderen
würdigen Friedhof kostenlos zur Verfügung stellt. [Brief vom 5.5.1926
an den Bürgermeister] Dem Schreiben vom 30. Mai 1927 kann man entnehmen,
dass ein kommunaler Friedhof angedacht wurde, was aber nicht im Interesse
der katholischen Kirchengemeinde erschien. Zudem finden wir darin
über die Zahl der evang. Gemeindeglieder: ...an die Gemeinde Heimbach...,
in der z.Zt. nur 5 evangl. Familien mit 28 Personen ansässig sind,
wozu noch 5 Familien kommen, die in Mischehe leben mit insgesamt 7
evangelischen Familienangehörigen, sodass insgesamt für 35 Personen eine
Anlage geschaffen werden soll....Unter den Familien sind 4
Beamtenfamilien, die nicht mit Besitz angesessen sind und einer
jederzeitigen Versetzung gewärtig sein müssen... Im übrigen folgt dann
der Vorschlag des Bürgermeisters Deuser, dass sich die evang. Gemeinde mit
der Gestellung des Grundstückes zufrieden geben möge und die Einrichtung
usw. übernimmt. Zugleich weist er auf die schwierige wirtschaftliche Lage
der Gemeinde hin und darauf, dass die wenigen Evangelischen " zu
den bestsituierten der Gemeinde" zählen. Darauf hin hat der
Presbyter Wilhelm Neuß im Auftrag der "evgl. Gemeinde Heimbach"
in einem Antrag vom 19.5.1927 die Nöte bei Beerdigungen dargestellt
(Zuweg zu dem Friedhof ist so eingeengt, dass kaum noch ein Leichenzug
durchkommt ....Lage des Friedhofes in einem geschlossenen Hofe einer
Gastwirtschaft ....) und um die Bereitstellung eines Grundstückes
ersucht. Wilh. Neuß war pikanter Weise Eigentümer des Hotels
"Kölner Hof". Am 6.6.1928 lädt Bürgermeister Deuser "Herrn
Pfarrer Rocholl Hochwürden" zu einer Besichtigung zweier ausfindig
gemachter Parzellen ein. Am 18.9.1928 wird durch den Bürgermeister
mitgeteilt, dass der Herr Kreismedizinalrat das Grundstück besichtigt und
für seinen Zweck als tauglich erklärt hat. Der Friedhof wurde
Wirklichkeit. Damit war dieser Zwist vom Tisch.
Auf diesem "neuen" Friedhof, der seit ca. 1980 im Eigentum der
Stadt Heimbach ist, wird seit längerer Zeit niemand mehr beerdigt. Die
unten angeführte hohe Eiche steht immer noch, vom Birkenkreuz existiert
noch die Befestigung. Auch die Grabstätte des Wilhelm Neuß und zwei seiner
Töchter ist (links hinten) noch vorhanden. Zwei weitere Töchter von
ihm ruhen auf dem städtischen Waldfriedhof, die Zeit hat das damals
Angestrebte gebracht. Die finanziellen Nöte der Kommunen sind auch
nicht verschwunden, sie haben sich nur geändert. Der erste Friedhof ist
offensichtlich im Eigentum der katholischen Kirchengemeinde. Das
Eingangstor des Friedhofes im Heimbachtal war so marode, dass es nicht
erhalten werden konnte.
Die weiteren Informationen entnehme ich als Zitate aus Gustav Adolf
Rocholl: "Niedergang und Neuerstehen - Die letzten
sechsundsechzig Jahre einer vierhundert Jahre alten evangelischen
Diasporagemeinde der Nordeifel" 1953. Dabei habe ich alle Passagen
über Heimbach angegeben, da sie das evangelische Leben insgesamt
beschreiben. Dabei überlasse ich das Schlusswort dem Verfasser Gustav
Adolf Rocholl.
S.12 In Heimbach selbst haben von 1915 an regelmäßig im Haus und Gasthof
der evangelischen Familie Neuss Weihnachtsgottesdienste mit
liturgischer Feier stattgefunden. Für etwa zwei Stunden wurde die
Gastwirtschaft für den allgemeinen Verkehr geschlossen. Mancher, der
aus der Stadt kam, lernte zu ersten Mal kennen, wie in der Diaspora ein
Haus zur Gottesdienststätte wird, wenn keine Kirche in der Nähe ist.
S.13 In Heimbach ging 1929 der lang ersehnte Wunsch nach einem kleinen
evangelischen Friedhof in Erfüllung. Eine stille Stätte in wunderbarer
Gebirgslandschaft am Heimbach wurde für den Friedhof gewählt....Zum ersten
Male sang der Chor in Heimbach bei der feierlichen Übernahme des
neuen Friedhofes und ein würdiger Aufgangsweg mit Brücke über den Heimbach
war geschaffen worden.
S.18 Von großem Leid wurden die lieben evangelischen Heimbacher
heimgesucht. Fünf Beerdigungen fanden in zwei Jahren auf dem neuen Friedhof
statt. Wilhelm Neuß hatte lange vor 1929 sich für die Anlage unseres
Friedhofes eingesetzt. Unter der mächtigen alten Eiche, die dem Friedhof
Schatten gibt, wollte er einst begraben werden. Neben ihm ruhten sehr
bald schon zwei Töchter, die nach schwerem Leiden starben. Die Heimbacher
Familien pflegten ihren Friedhof. Ein Kreuz aus Birkenholz ist das
Wahrzeichen der Ruhestätte.
S. 34 (Nach dem 2. Weltkrieg) Die Heimbacher aber brachten ihre Opfer
für die besonders großen Friedhofsnöte in Heimbach.
Von Himmelfahrt 1947 an sind in Heimbach Gottesdienste für vier
Feiertage im Jahr gehalten worden Zuerst waren sie in der Wohnung von
Presbyter Polizeimeister i.R. Diedrich. Von Herrn und Frau Diedrich
wurden sie sehr eingehend vorbereitet. Alle Evangelischen in Heimbach
und viele Gemeindeglieder aus der weiten Umgebung kamen gerne zur
Feierstunde. ..
S. 35 Am schwersten ist die Verwaltung und Pflege des alten
evangelischen Friedhofes in Heimbach, auf dem seit 1930 keine Beerdigungen
mehr stattfinden dürfen. Unser neuer Friedhof aber wird bei dem Wachstum
des Heimbacher Gemeindebezirks zu klein. Diese Friedhöfe sind bisher
das einzige Eigentum der Kirchengemeinde in Heimbach. ...
"Friedhöfe sind Weihestätten und
für besondere Gottesdienste sehr geeignet. Sie weisen über die
Zeitlichkeit hinaus und lenken unsere Augen zu Gott dem Herrn empor. Sie
dienen dem inneren Aufbau der Herzen.
Archivalien:
a) 24.10.1922 Brief des Inhabers des Gasthofes Krone an die
Polizeiverwaltung Heimbach
b) 2.12.1922 Brief des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl
c) 5.5.1926 Brief (offensichtlich) von der evang. Gemeinde an den
Bürgermeister von Heimbach
d) 23.3.1927 Brief des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl
e) 30.5.1927 Brief des Heimbacher BÁrgermeisters an den Kirchenrat
der evang. Gemeinde Heimbach
f) 19.5.1927 Brief von Presbyter Wilh. Neuß i.A.der evgl.Gemeinde
Heimbach an den Heimbacher Bürgermeister Deuser
g) 6.6.1928 Brief des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl
h) 18.9.1928 Brief des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl
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